
KICKEN BEIM FEIND?
Rainer Bonhof war 1974 beim 2:1-Sieg über Cruijff & Co. der jüngste deutsche
Weltmeister. Keine fünf Jahre davor hatte der Emmericher als Sohn eines
holländischen Vaters noch einen niederländischen Pass.
Nachlesen kann man das in Kicken beim Feind? Der ganz alltägliche Friede hinter
dem deutsch-niederländischen Fußballkrieg des Düsseldorfer Journalisten Ingo
Schiweck. Der als Deutscher in den Niederlanden aufgewachsene Schiweck hat ein
wunderbares Buch abgeliefert, das zum Lesen und Nachschlagen einlädt. Man findet
alles über die Erfahrungen von niederländischen Spielern und Trainern in
Deutschland und über die ihrer deutschen Pendants in den Niederlanden. Von Huub
Stevens bis Herbert Neumann, von Horst Blankenburg bis Roy Makaay – der Autor
hat alle Protagonisten befragt und kommt zu dem Schluss, dass Holländer und
Deutsche im Fußball auch gemeinsame Ziele haben können.
Horst Blankenburg hat Anfang der 70er Jahre dreimal mit Ajax Amsterdam den
Europapokal der Landesmeister gewonnen. Unter Huub Stevens ist Schalke 1997
UEFA-Pokalsieger geworden. Die Trainer Herbert Neumann und Hans Meyer haben in
Holland ausschließlich positive Erfahrungen gesammelt. Jan Wouters und Roy
Makaay empfinden es als Ehre, bei den Bayern spielen zu dürfen, während München
für sie eine wunderbare Stadt mit attraktivem Umland und sehr freundlichen
Menschen ist. Wouters, 1988 noch beim befreienden 2:1-Halbfinalsieg der
Holländer bei der EM dabei, konnte bei den Bayern anerzogene antideutsche
Gefühle ablegen.
Aber nicht alle Geschichten im Buch sind so positiv. So kennt die Erfolgsstory
eines Willi Lippens auch Schattenseiten. Wäre es nach Helmut Schön gegangen,
hätte Lippens wie Rainer Bonhof die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, um
für Deutschland zu stürmen. Doch Willis niederländischer Vater war wegen seiner
Kriegserfahrungen strikt dagegen. So debütierte der Sohn am 24. Februar 1971 im
Oranje-Team in Rotterdam gegen Luxemburg. Lippens stand neben Piet Keizer und
Johan Cruijff im Angriff und zeichnete fürs 1:0 verantwortlich. Die Holländer
siegten schließlich mit 6:0, doch die Erinnerungen von „Ente“ an sein erstes und
zugleich einziges Länderspiel sind dunkel gefärbt. Vor allem Oranje-Kapitän
Rinus Israël war gegen einen „halben Nazi“ im Team und zeigte das auch ganz
offen.
Das Buch gibt es direkt beim Verlag (www.maverix-verlag.de) oder bei Amazon (www.amazon.de).
Harry Walstra

